Bericht über die Behandlung einer Halsarthrose


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Halsarthrose


Ende 2020 bekamen wir ein riesiges Weihnachtsgeschenk mit dem überwältigenden Erfolgserlebnis bei einem unserer Pferde, einem grossrahmigen, 7jährigen Wallach! Vor rund 1.5 Jahren hätte man ihn einschläfern lassen sollen infolge dramatischer arthrotischer Veränderungen in der Halswirbelsäule C6/C7 mit Beteiligung des Nervs.

Zu seiner Geschichte: Anfang Februar 2018 ist der Wallach bei uns angekommen und wurde Mitglied unserer Familie. Dieser Kauf entstand aufgrund eines Tauschgeschäftes, wir haben ihn vorher nicht probegeritten und auch nicht live gesehen, nur anhand von Videos haben wir uns für diesen Deal entschieden.

Sein Allgemeinzustand bei Ankunft war mässig: sehr wenig Bemuskelung, schlechter Hufbeschlag und habituelle Patellafixation. Ausserdem wurde er in seiner Ausbildung viel zu eng in Rollkur geritten, er konnte auch am hingegebenen Zügel seinen Kopf unmöglich in natürlicher Haltung tragen, versteckte auch da sein Kopf an der Brust. Es brauchte mehr als ein Jahr um ein natürliches Verhalten zurückzugewinnen.

Unter dem Reiter wurde immer wieder auf linke Hand eine Gangunregelmässigkeit vorne rechts festgestellt. Taktunrein, verkürzt bis hin zu einer leichtgradigen Lahmheit. Nach anhaltender Problematik haben wir das Pferd Ende Juni bei uns im Stall klinisch untersuchen lassen und Anfang Juli für einen Gross-Check in die Klinik gebracht. Neben diversen unspektakulären Kleinbefunden wurden ausserdem geringgradige osteochondrotische Halswirbelsäulenveränderungen im Bereich C6/C7 festgestellt. Nach Beurteilung durch einen Spezialisten des Tierspitals Zürich konnte kein Zusammenhang mit seiner Gangunregelmässigkeit bestätigt werden. Desshalb ging die Reise weiter in die Tierklinik Niederlenz sowie in die Onkologie Hünenberg – jedoch auch hier wiederum kein Aha-Erlebnis.

Somit haben wir uns entschieden, mit dem Pferd weiter zu arbeiten, um Muskulatur und Kondition aufzubauen und haben ihn ausserdem mit Futterzusätzen unterstützt, was ihm soweit auch geholfen hat. Ein Jahr später, Mitte 2019 haben wir mit kleineren Turnieren angefangen und im Herbst passierte die Katastrophe! Nach einem Rumpler in der Landung auf dem Abreiteplatz geschah dasselbe im Parcours am zweiten Sprung. Niemand hat realisiert was passiert war, dank Videoaufnahmen kam dann die Erklärung! Der Wallach konnte in der Landephase sein rechtes Bein nicht mehr ausfahren, beim auffussen mit dem linken Bein war das rechte noch komplett angewinkelt, das Huf war noch immer am Ellbogen – in letzter Sekunde, kurz vor einem Ueberschlag konnte er das linke Bein noch vorziehen und erst mit dem Bodenkontakt des rechten Karpalgelenkes hat sich das Bein wieder geöffnet.

Geschockt haben wir dann sofort einen Termin in der Klinik vereinbart, um die Halswirbelsäule erneut zu röntgen: mit fatalem Ergebnis! Dramatische Verschlechterung der HWS im Bereich C6/C7 mit verengtem Nervenkanal! Massive Halsarthrose! Prognose sehr schlecht, Empfehlung zur Euthanasie!

Nichtsdestotrotz haben wir ihn wieder mit nach Hause genommen und dann mit unserem Tierarzt ein Behandlungsplan mit Vetdrop erstellt, einfach so als Experiment in der Hoffnung, den Fortschritt der Erkrankung zu verlangsamen oder sogar zu stoppen.

Somit haben wir umgehend mit der Behandlung von der Halsarthrose begonnen: der Wallach war extrem unruhig, konnte nicht stillhalten, machte Faxen mit dem Gesicht, bewegte stark seine Oberlippe und zuckte stark mit dem ganzen Kopf (Headshaking). Da lange keine Verbesserung seines Verhaltens eintrat, wollten wir die Therapie abbrechen. Wir hatten das Gefühl, dass wir durch den leichten Luftdruck bereits den Nerv reizen und er desshalb so gestresst auf die Behandlung reagierte. Wie durch ein Wunder hörte er geradezu gleichzeitig mit diesen Symptomen auf!

Somit behandelten wir ihn weiterhin für der Halsarthrose alle 2 Tage. Während dieser Zeit wurde er ohne Reiter in der Führmaschine sowie auf dem Laufband bewegt oder freilaufend in der Halle, damit er seine Muskulatur beibehält. Nach ca. 2 Monaten haben wir mit Freispringen angefangen und dabei seine Beintechnik gut beobachtet. Zu Beginn reagierte er wieder vermehrt bei der Behandlung nach dem Freispringen, was sich aber wieder legte nach ein paar Tagen. Wir steigerten das Freispringen letztendlich bis 1.50m, und zwar beide Hände und es gab nie das kleinste Anzeichen von einem verzögerten Ausfahren des Beines! Auch reagierte er nicht mehr bei der Behandlung nach Belastung.

Aufgrund dieser Tatsachen haben wir wieder vorsichtig angefangen, ihn zu reiten! Die erste positive Überraschung war seine Regelmässigkeit auch auf linke Hand, kein verkürzen mehr und auch keine Taktunreinheiten. Nach ca. 1 Monat unter dem Sattel haben wir die ersten kleinen Sprünge mit ihm unter dem Sattel gemacht. Alles kein Problem!

Ende April 2020 beschlossen wir, nochmals Röntgenaufnahmen der HWS zu machen! Etwas euphorisch erhofften wir uns Verbesserungen zu sehen, realistisch gesehen erwarteten wir dies jedoch keineswegs! In der Zwischenzeit haben wir auch mehrmals thermographische Aufnahmen gemacht. Die zu Beginn thermisch auffälligen Wärmemuster im Bereich des C6/C7 sind in der Zwischenzeit komplett verschwunden, was für uns heisst, dass keine Entzündung mehr vorhanden ist. Sogar die neuen Röntgenbilder zeigen definitiv eine Verbesserung und Beruhigung in der HWS, auch der Nervenkanal ist mehr geöffnet! Nach Rücksprache mit dem Tierarzt fuhren wir mit der Behandlung fort.

Nun fingen wir an, normal mit ihm zu trainieren und nahmen ab Ende Juni 2020 wieder erfolgreich an Turnieren in der Kategorie 1.10 - 1.30m teil. Zur Nachkontrolle und Bestätigung unseres Gefühls liessen wir ihn nun abschliessend Ende Dezember erneut röntgen und bekamen somit unser schönstes Weihnachtsgeschenk überhaupt. Man kann ihn als geheilt bezeichnen; die arthrotischen Veränderungen haben sich sogar etwas zurückgebildet und der Nervenkanal ist offen. Nun freuen wir uns auf weitere Turniere (wenn’s Corona wieder zulässt) mit einem gesunden und schmerzfreien motivierten Pferd.

 

Hier zum Behandlungsjournal: Halsarthrose






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